Der Auflösungsprozess in 4 Phasen

 

Vor der endgültigen Trennung bzw. Scheidung finden wir in vielen Fällen eine Auflösungsphase bei der für eine/n der beteiligten PartnerInnen die Trennung als reale Option vorstellbar wird. Eine Trennung ist nie frei von Zwängen wie dem sozialen Druck der Herkunftsfamilien, der Anforderung das Gesicht zu wahren und dem Einfluss von Freunden.

 

Der Auflösungsprozess ist meist Ergebnis einer Krise oder länger dauernden Zerrüttung und wird vom unzufriedenen Partner mit der Grundhaltung "Ich halte es nicht mehr aus" eingeleitet. In der intrapsychischen Phase wird die eigene Unzufriedenheit dem Partner gegenüber nicht klar geäußert. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Verhalten des Partners/der Partnerin, wobei das Rollenverhalten des anderen meist als unangemessen eingeschätzt wird und negative Aspekte der Beziehung herausgestellt werden. Diese Phase wird begleitet von einem hohen Maß an Selbstzweifeln und Ambivalenz, da der Partner / die Partnerin, der die Trennung beabsichtigt, sich nicht sicher ist, ob eine Trennung oder das Zusammenbleiben das Richtige ist. Meist schwindet die Ambivalenz auch dann nicht, wenn es zur Gewissheit geworden ist, dass die Trennung unvermeidlich ist.

 

Nachdem schließlich mit der Grundhaltung "Ich ziehe mich mit gutem Recht zurück" die Schwelle zur dyadischen Phase überschritten wird, folgt der Versuch, den Partner/die Partnerin mit den Trennungsabsichten zu konfrontieren. Der unzufriedenen Partner steckt in einem "Konfontations/Vermeidungs - Dilemma" und vermittelt dem Partner seine Trennungsabsichten entweder direkt durch verbale Kommunikation oder indirekt durch gereiztes, feindseliges und abweisendes Verhalten. Ergibt die Konfrontation mit dem Partner, dass die emotionalen, sozialen oder finanziellen Kosten, die mit einer Trennung verbunden sind, zu hoch sind, kommt es oft zu Reparatur- und Versöhnungsversuchen.

 

Gelingen diese nicht, leitet die Grundhaltung "Es ist mir ernst" die darauf folgende soziale Phase ein, in der das Umfeld mit einbezogen wird. Der soziale Status nach der Trennung wird zwischen den PartnerInnen ausgehandelt und es werden geeignete Darstellungsweisen entwickelt, um in der Öffentlichkeit das Gesicht zu wahren oder Schuldzuweisungen vorzunehmen. Wenn das Paar sich die sozialen und öffentlichen Konsequenzen bewusst macht, die eine Trennung nach sich zieht, kann es passieren, dass es von der Trennung Abstand nimmt oder diese hinauszögert. Eine zerrüttete Beziehung wird in manchen Fällen zusammengehalten durch den mit einer Trennung verbundenen Statusverlust und den Druck des sozialen Umfeldes, welches unmittelbar von der Auflösung der Partnerschaft betroffen wäre. Freunde und Bekannte müssen sich entscheiden wem ihre Loyalität gilt, weshalb nach der Trennung das soziale Netzwerk reorganisiert werden muss.

 

Die Aufarbeitung der Erinnerung an die Beziehung erfolgt in der Grabpflegephase. Hier wird die eigene Geschichte neu geschrieben, Bewältigungsstrategien werden entwickelt, es wird zurückgeschaut und die eigene Version der Auflösungsgeschichte wird verbreitet.

 

In vielen Fällen überlappen sich die Phasen, der Prozess wird zeitweise unterbrochen oder es gelingt auch, durch gezielte Maßnahmen die Beziehung zu retten. Oft werden Beratungsangebote recht spät - vor allem in der sozialen Phase - in Anspruch genommen.

Je früher geeignete Interventionen stattfinden, desto besser sind die Chancen für die Rettung Ihrer Beziehung.

 
 

Wir sind die besseren Freunde.

 
Quelle: Duck S., A topography of relationship disengagement and dissolution. In: Duck S. (ed.): Personal Relationships